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Ein Herz für Schafe haben die Hauptdarsteller in der
italienischen Region Abruzzen. Sie geben ihre Tiere zur Adoption
frei. Und das hat nun beileibe nichts mit der aktuellen Maul-
und Klauenseuche oder mit dem Klonschaf Dolly zu tun. Nein,
hier geht es um ganz normale Vertreter ihrer Spezies und um
angewandten Tier- und Naturschutz. Im Herzen des Abruzzen-Nationalparks
in Italien gibt es doch tatsächlich eine Initiative,
die Adoptiveltern für Schafe sucht. Für umgerechnet
350 Mark im Jahr kann man ein Schaf mieten und erhält
dafür die gesamte "Jahresproduktion" des Tieres,
von Ricotta über Wurst und Wolle bis hin zum neugeborenen
Lämmchen. Mit dem Geld für die Adoption wiederum
können die Schafzüchter ihre Tiere art- und naturgerecht
aufziehen.
"Leih"-Schafe in den Abruzzen Der Schaf-Pass
Die Adoption des Mutterschafes Molli hat Manuela Cozzi vermittelt.
Ihre Vision: Jedem Schaf ein Hirte, dann ginge es Mensch und
Tier besser. Prominentestes Beispiel mit rotem Halsband ist
Medina. Manuela Cozzi hat den italienischen Landwirtschaftsminister
als Vater werben können. Mit 350 Mark pro Jahr sorgt
er für die biologische Aufzucht des Schafes und das Schaf
auf seine Weise für ihn. Manuela Cozzi, Schäferin:
"Medina ist eines unserer schönsten Schafe in der
Herde, sie produziert wie die anderen auch mindestens ein
Lamm und pro Jahr mindestens fünf Kilo Käse und
drei Kilo Ricotta, Frischkäse, und dann noch Wolle für
Socken und ab und zu auch Dünger."
Das Bergdorf Anversa in den Abruzzen wurde durch das Prominentenschaf
ziemlich bekannt in Italien. Ein Segen für den Ort, denn
wirtschaftlich tat sich hier seit Jahrzehnten nichts. Viele
sind weggezogen, haben Arbeit in der grossen Stadt gesucht.
Das hat sich geändert. Viele Hirten kopieren Manuela
Cozzis anfangs als sentimental belächelte Adoptionsidee.
Denn es schafft ideale Bedingungen für Unternehmer, der
Kunde kauft nämlich mit dem Adoptionsvertrag die Ware,
bevor sie produziert wurde. Ein Renner. Manuela Cozzi: Wir
haben ungefähr 400 Verträge in die ganze Welt verschickt
- zum Beispiel ist Tokio auch dabei. Und insgesamt haben wir
rund 40 bis 50 Anfragen pro Tag für eine Adoption.
Die meisten Adoptivwilligen kommen aus Grossstädten
wie Rom. Das ist kein Zufall, denn der Römer an sich
lebt in Hektik, hat selten Zeit. Gerade deshalb legt er in
der kurzen freien Zeit, die ihm bleibt, grossen Wert auf Lebensqualität.
Die kann darin bestehen, dass ein Schafhirte regelmässig
Bio-Ricotta schickt, zum Beispiel der Familie Mancusi. Käse
produziert von der Milch des ganz persönlichen Adoptivschafes
Rosi schmeckt einfach anders. Das Herz isst sozusagen mit.
Allerdings wird dies dann zum Problem, wenn es um die Frage
geht: Lammbraten oder nicht? Dieser Konflikt entsteht, wenn
man nicht verdrängt, dass die süssen Lämmer
empfindsam sind. Genau dies will Manuela Cozzi erreichen.
Die Konsumenten aus der entfernten Stadt sollen der Natur
wieder näher kommen.
Manuela Cozzi: "Es ist für viele ein echtes Problem.
Viele Kunden rufen mich an und wollen wissen, wie es dem Schaf
und den Lämmern geht und überlegen, was mit ihnen
passieren soll. Viele haben sich noch nicht entschieden. Ein
Kunde wollte sogar, dass wir helfen - für ihn eine Entscheidung
zu treffen." Das geht natürlich nicht. Wer Schafe
und deren Nachkommen adoptiert, hat die Verantwortung, muss
entscheiden. Die Adoptionsidee hat einen schon fast totgeglaubten
Berufsstand zu neuem Leben erweckt. 170 Schäfer aus den
Abruzzen suchen inzwischen für 40.000 Schafe Eltern.
Filmautor: Alexander Stenzel, Übernahme SDR
http://www.br-online.de/politik/ausland/themen/05201/
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